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Die schönsten Weihnachtsgeschichten

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Christkindl`s Weihnachtsgeschichten
GLOCKE

Das Schaufenster
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Das Schaufenster

Leise ertönte aus den Außenlautsprechern „Fröhliche Weihnacht überall“. Das große Kaufhaus am Münchner Marienplatz erstrahlte hell im Glanz der weihnachtlichen Lichter. Ein Junge starrte dabei sehnsüchtig durch das Schaufenster, das wie jedes Jahr mit unzähligen Stofftieren liebevoll dekoriert war. Jedes Tier schien eine andere, eigene Geschichte zu erzählen und zu erleben.


   „Hallo Bastian!“ Der Junge blickte verwirrt umher. Wer hatte ihn da angesprochen? Woher kam die Stimme?
   „Hey Bastian, hier unten sind wir.“ Wo unten? Wer ist Wir? Bastian schaute verwirrt umher. Plötzlich bemerkte er, dass ihn die beiden Bären erwartungsvoll anstarrten, die gerade über einer leicht glimmenden, elektrischen Feuerstelle ihr Essen zubereiteten.
   „Habt ihr mit mir gesprochen?“, fragte Bastian ganz leise die beiden Bären, so dass es keiner außer ihnen drei hören konnte.
   „Na logisch. Oder siehst du hier noch jemand anderen, der Bastian heißt?“
   Der Junge drückte sein Gesicht fester gegen die Glasscheibe. „Wer seid ihr denn?“
   „Ich bin Claudia Bär und das ist mein Mann, der Johannes. Willst du mit uns essen? Wir haben Honigeintopf mit frischen Pilzen gekocht.“
   „Sehr gerne“, antwortete Bastian, „aber leider seid ihr ja hinter der Glasscheibe und da kann ich nicht…“ Er konnte seinen Satz nicht einmal mehr zu Ende bringen, da saß er schon an der Feuerstelle der beiden Bären und schaute sich verschreckt um.
   „Keine Sorge, Bastian“, beruhigte der alte Bär den Jungen, „nach dem Essen bringen wir dich wieder zurück.“ Der Junge wollte gerade fragen, wie er durch die Glasscheibe gekommen ist, als ihn die Ankunft eines seltsamen Tieres alles andere vergessen ließen.
   „Isch bin der gestiefölte Katör“, schrie ihm eine rauchige Stimme mit französischem Akzent zu, „isch bin der Rettör der Unterdrückten und der Helför für die Armen.“ Dazu fuchtelte der Kater mit seinem scharfen Degen vor Bastians Gesicht herum, um ihn schließlich die Spitze auf die Brust zu setzen und zu fragen: „Und wör bist du?“
   „I, i…, ich bin Bastian Schmidtner“, brachte der arme Junge ängstlich hervor.
   „Nimm deinen Degen weg, Stiefel, sonst kriegst du kein Essen!“, befahl Johannes Bär und kam dem Jungen zu Hilfe. Lächelnd fügte er in die Richtung Bastians hinzu: „Immer das gleiche mit diesen Katzen, kaum haben sie etwas Spitzes in der Hand, fühlen sie sich als wären sie die Größten.“
   „Isch bin keinö Katzö, isch bin ein Katör“, wollte der gestiefelte Kater Johannes berichtigen. Doch da erhob sich der Bär zu voller Größe und blickte ihn streng und grimmig an, so dass der Kater ein bisschen Angst bekam.
   „Gut, isch bin eine Katzö“, flüsterte der gestiefelte Kater unterwürfig winselnd, „du hast wie immer Recht, Johannes.“
   „Dann ist ja alles gut“, mischte sich Claudia ein. „Jetzt setzen wir uns und essen den leckeren Honigeintopf!“
   Die Bärendame schöpfte jedem eine große Kelle voll in ein kleines, blaues Tellerchen und reichte es ihnen. Als letztes gab sie Johannes den Teller und streichelte ihm dabei zärtlich über sein Fell. Bastian, der hungrig schon zwei Löffel Honigeintopf verdrückt hatte, bemerkte, wie liebevoll sich die beiden Bären dabei ansahen.
   „Ihr habt euch ganz schön gern, oder?“, fragte Bastian und bekam während er sprach wässrige Augen.
   „Oh ja, wir lieben uns sogar! Deswegen sind wir verheiratet“, antwortete Johannes, der die Tränen auf Bastians Wangen nicht wahrnahm. „Ich möchte mein ganzes Bärenleben mit meiner Claudia verbringen.“
   Da bemerkte die Bärendame, wie traurig Bastian wegen der Worte des Bären geworden war und fragte: „Weinst du, Bastian?“
   „So schlecht schmöckt der Eintopf nischt, dass man darüber weinen muss, finde isch“, warf der gestiefelte Kater ein, ohne sich über die Tränen Bastians große Gedanken zu machen und fügte an: „Wenn du ihn nischt willst, dann ess isch ihn.“
   Sofort erreichte ihn ein entsetzter und strenger Blick Claudias, der ihm deutlich machte, dass er lieber die Klappe halten sollte. Die Bärendame stand auf, ging um das Feuer herum und legte liebevoll ihren Arm auf Bastians Schulter.
   „Willst du mir nicht sagen, was los ist, mein Junge?“, forschte sie nach.
   „Nichts, gar nichts! Mir ist nur Rauch vom Feuer in die Augen gestiegen.“
   „Dör Junge ist gut, ein Schlitzöhr“, mischte sich wiederum der Kater ein und begann zu lachen. „Rauch aus dem Feuör in die Augen?!? Das ist ein bisschen schwierig bei Elektrobirnön. Aus dir wird einmal ein großer Mann, mein Junge. Wie isch in deinöm Alter war, hatte isch es genauso faustdick hinter den Ohren. Und nun bin isch…“
   „Stiefel!“, unterbrach ihn Johannes, der mittlerweile auch Bastians Traurigkeit bemerkt hatte. „Du bist der mit Abstand dümmste Kater, der jemals für unsere Majestät Dienst getan hat.“
   „Du hast misch Katör genannt, endlisch hast du misch Katör genannt, Johannes“, jubelte der gestiefelte Kater voller Freude und Stolz. „Dumm bin isch vielleischte, aber dafür bin isch der Stärkste unter allen Katörn der Welt.“
   Johannes wollte gerade darauf antworten, als ein lautes Hüsteln Claudias den beiden Männern deutlich machte, dass es jetzt nicht um sie, sondern um Bastian gehe.
   „Du kannst uns alles sagen, Bastian“, sprach sie und streichelte dem Jungen liebevoll durch sein blondes Haar. „Irgendetwas bedrückt dich, nicht wahr?“
   „Es ist nur so schön zu sehen, wie ihr zwei Bären euch lieb habt. Meine Eltern hatten sich auch mal so lieb. Und jetzt sagt Mama, Papa und sie haben sich einfach nicht mehr genug lieb. Papa ist weg. Ich glaube, er hat nicht nur Mama nicht mehr lieb, sondern auch mich nicht mehr. Wahrscheinlich mag Mama mich auch nicht mehr.“
   „Ach mein armer Junge!“, flüsterte die Bärendame Bastian zu, nahm ihn in den Arm und drückte ihn ganz fest an sich. Johannes und Stiefel hatten den Worten Bastians gelauscht, lehnten sich aneinander und kämpften nun selbst mit den Tränen.
   „Isch bin mir sischer, dass dich dein Papa und deine Mama immer noch mehr als alles andere lieb habön“, sagte der Kater und die beiden Bären stimmten ihm nickend zu.
   „Weißt du“, fügte Johannes an, „Menschen sind halt manchmal sehr komisch, Bastian. Du musst dir einfach ganz fest vornehmen, dass du einmal anders wirst, wenn du groß bist.“
   „Ich möchte nie, nie, nie so komisch werden“, versprach der blonde Junge. „Denkt ihr denn wirklich, dass Mama und Papa mich noch lieb haben?“
   „Ganz sicher!“, antwortete Claudia und drückte ihn wieder fest an ihr Herz. Plötzlich zog jemand grob von hinten an Bastian.


„Zu wem gehört dieser Junge?!?“, eine spitze Frauenstimme schrie durch die Menge.
   Bastian wurde unsanft am Kragen gepackt und aus seinen Träumen gerissen. Schnell wischte er sich so gut es ging die Tränen aus den Augen.
   „Bastian, da bist du ja. Dich darf man wirklich nicht eine Sekunde aus den Augen lassen“, rief Veronika Schmidtner, um dann leise in Richtung der spitzen Frauenstimme hinzuzufügen, „es tut mir wirklich leid. Ich weiß auch nicht, was mit ihm los ist. Seit mein Ex-Mann ausgezogen ist, scheint Bastian immer öfter mit seinen Gedanken woanders zu sein. Er ist seitdem sehr komisch…“

Mit freundlicher Unterstützung von Hans-Peter Schneider
Autor: Hans-Peter Schneider
Titel: Das Schaufenster
Copyright: Hans-Peter Schneider
gepostet von Hans-Peter Schneider am 04.11.2009 09:24
E-Mail: info@h-pschneider.de
Internet: www.h-pschneider.de/
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